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Guter Ton im Video: der wichtigste Teil des Bildes

Zuschauer sehen über ein mittelmäßiges Bild hinweg, bei schlechtem Ton steigen sie aus. Wohin Sie das Mikrofon halten, entscheidet deshalb mehr über die Wirkung eines Firmenvideos als die Kamera.

Stand 23. September 20268 Minuten LesezeitTechnik

Wer ein Firmenvideo zum ersten Mal selbst dreht, achtet auf Bildausschnitt, Schärfe und Hintergrund. Der Ton läuft nebenher mit, meistens über das Mikrofon, das in der Kamera eingebaut ist. Genau dort entsteht der Fehler, der später am teuersten wird: Ein leicht unscharfes Bild sehen Menschen zu Ende, einen Satz, den sie zweimal hören müssen, nicht. Ton ist der Teil des Bildes, den man nicht sieht und ohne den nichts funktioniert.

Warum schlechter Ton härter bestraft wird als schlechtes Bild

Bewegtbild ist in den letzten Jahren alltäglich geworden, und mit ihm die Toleranz für unperfekte Aufnahmen. Ein leicht körniges Bild, ein Schwenk aus der Hand, eine Belichtung, die im Gegenlicht nachzieht: Solche Mängel nimmt das Publikum hin, solange es erkennt, worum es geht.

Beim Ton liegt die Grenze enger. Sobald Zuschauer anfangen, Worte zu erraten, weil Hall, Lüftungsrauschen oder ein entfernt stehendes Mikrofon die Sprache verwaschen, kostet Zuhören Anstrengung. Diese Anstrengung halten die wenigsten länger als ein paar Sekunden durch. Sie klicken weg, ohne sich bewusst zu machen, dass der Ton der Grund war.

Für die Praxis folgt daraus eine klare Rangfolge: Wenn Zeit oder Geld knapp sind, investieren Sie zuerst in den Ton und erst danach in Kamera oder Licht. Das gilt für den geplanten Imagefilm genauso wie für die kurze Erklärung, die Sie nach dem Ablauf aus Firmenvideo planen an einem halben Tag drehen, und erst recht für Aufnahmen mit dem Smartphone, bei denen die Kamera ohnehin gut genug ist.

Der Abstand zur Schallquelle entscheidet

Die wichtigste Regel beim Ton hat mit Technik wenig zu tun: Je näher das Mikrofon am Mund sitzt, desto größer ist der Anteil der Stimme gegenüber allem anderen im Raum. Vergrößern Sie den Abstand, wächst der Anteil an Hall und Nebengeräusch spürbar mit. Ein einfaches Mikrofon direkt an der sprechenden Person klingt darum besser als ein teures Mikrofon zwei Meter entfernt.

Das eingebaute Kameramikrofon steht genau dort, wo man es nicht haben will, nämlich bei der Kamera. Es nimmt den Raum auf, nicht die Person. In einer Halle mit Blech, Beton und Glas hört man danach vor allem die Halle. Ein externes Mikrofon, das sich in die Nähe der Stimme bringen lässt, ist deshalb der größte einzelne Fortschritt, den Sie beim Ton erreichen können.

Als Faustregel für ein Ansteckmikrofon hat sich eine Handbreit unter dem Kinn bewährt, mittig angesetzt, mit der Kapsel frei und nicht unter Schal oder Kragen. Ein Handmikrofon führen Sie etwa eine Handbreit vor den Mund, leicht unterhalb, damit Atemstöße nicht direkt auf die Kapsel treffen.

Ansteckmikrofon oder Handmikrofon

Das Ansteckmikrofon ist die richtige Wahl, wenn eine Person längere Zeit spricht: im Interview, beim Statement der Geschäftsführung, bei der Erklärung an der Maschine. Es hält den Abstand von selbst konstant, auch wenn sich der Kopf dreht, und es fällt im Bild kaum auf. Achten Sie auf die Kleidung, denn ein Kabel, das unter dem Hemd reibt, und eine Jacke aus knisterndem Material erzeugen Geräusche, die sich später nicht mehr entfernen lassen.

Das Handmikrofon spielt seine Stärke dort aus, wo es laut ist oder wo mehrere Personen nacheinander sprechen. Es lässt sich gezielt näher an den Mund führen und blendet die Umgebung stärker aus. Der Preis dafür ist eine Hand, die beschäftigt ist, und ein Abstand, der schwankt, sobald jemand gestikuliert.

Für den Kommentar, der später über die Bilder gelegt wird, gilt ein eigener Fall: Er entsteht nicht am Drehort, sondern in einem ruhigen Raum mit weichen Oberflächen. Ein Zimmer mit Teppich, Vorhängen und Regalen klingt trockener als ein leerer Besprechungsraum mit Glaswand. Eine reine Tonaufnahme, etwa ein Interview für einen Firmenpodcast, können Sie auf auvimix als Audiodatei hochladen, die der Server zu MP3 mit 128 kBit je Sekunde umwandelt und mit einer Wellenform darstellt.

  • Interview im Sitzen oder Stehen: Ansteckmikrofon
  • Erklärung beim Gehen durch die Halle: Ansteckmikrofon mit Funkstrecke
  • Laute Umgebung oder mehrere Sprecher nacheinander: Handmikrofon
  • Kommentar, der im Schnitt eingesprochen wird: ruhiger Raum, Mikrofon nah

Störquellen, die erst in der Aufnahme auffallen

Menschen gewöhnen sich innerhalb von Minuten an Dauergeräusche und hören sie dann nicht mehr. Mikrofone gewöhnen sich nicht. Die Absaugung, der Kompressor, die Deckenlüftung im Besprechungsraum, der Kühlschrank in der Teeküche: All das steht in der Aufnahme unvermittelt im Vordergrund.

Gehen Sie vor dem Dreh die abschaltbaren Quellen durch und schalten Sie ab, was ohne Störung des Betriebs abgeschaltet werden kann. Was bleibt, umgehen Sie über Abstand und Ausrichtung: ein paar Meter weiter weg vom Tor, die Person mit dem Rücken zur Lärmquelle, das Mikrofon so nah wie möglich. In der Halle hilft zusätzlich die Nähe zu Materialstapeln, Regalen oder Paletten, weil sie den Hall brechen.

TippStellen Sie sich vor dem Dreh eine Minute schweigend an den Drehort und hören Sie nur zu. Was Ihnen dabei auffällt, steht später in der Aufnahme im Vordergrund.

Pegel einstellen und mit Kopfhörern kontrollieren

Der Pegel ist die Lautstärke, mit der aufgezeichnet wird. Zu leise aufgenommener Ton lässt sich im Schnitt anheben, dabei steigt aber auch das Rauschen. Zu laut aufgenommener Ton schlägt an die Obergrenze an und verzerrt, und diese Verzerrung bekommt niemand wieder heraus. Zielen Sie deshalb auf eine kräftige Aussteuerung mit Reserve nach oben.

Stellen Sie den Pegel nicht nach dem ersten Satz ein, sondern lassen Sie die Person den lautesten Satz sprechen, den sie im Video sagen wird, oder einmal lachen. Danach regeln Sie so weit herunter, dass die Anzeige auch an dieser Stelle deutlich unter dem Anschlag bleibt.

Kopfhörer sind kein Zubehör, sondern die einzige Möglichkeit zu erfahren, was tatsächlich aufgezeichnet wird. Behalten Sie sie während der gesamten Aufnahme auf. Ein Wackelkontakt, eine Funkstrecke, die aussetzt, ein Kabel, das am Hemd reibt: Im Kopfhörer hören Sie es sofort, auf dem kleinen Kameradisplay sehen Sie nichts davon.

Sprechen vor der Kamera, und was der Schnitt noch rettet

Guter Ton ist nur zur Hälfte Technik. Die andere Hälfte ist die Art zu sprechen. Kurze Sätze, ein ruhiges Tempo und echte Pausen statt Füllwörtern ergeben eine Aufnahme, die sich später leicht schneiden lässt. Wer sich verhaspelt, sollte nicht weiterreden, sondern zwei Sekunden schweigen und den ganzen Satz neu beginnen. Diese Pause ist im Schnitt die Stelle, an der man ansetzt.

Bereiten Sie die Kernsätze vor, lernen Sie sie aber nicht auswendig. Ein Stichwortzettel außerhalb des Bildes genügt. Wenn der Text aus einem geschriebenen Skript stammt, lesen Sie ihn vorher einmal laut: Sätze, die sich beim Vorlesen verhaken, verhaken sich auch vor der Kamera.

Im Schnitt lassen sich Lautstärken angleichen, ein gleichmäßiges Rauschen dämpfen und einzelne Störgeräusche herausschneiden. Nicht reparieren lassen sich Übersteuerung, Kleidungsreiben und starker Hall, denn Programme, die Hall entfernen, verändern hörbar die Stimme. Nehmen Sie deshalb an jedem Drehort zusätzlich eine halbe Minute Raumton ohne Sprache auf. Diese Atmosphäre füllt später Lücken und macht Schnitte unauffällig.

Kurz gefasst

Der Ton entscheidet darüber, ob ein Firmenvideo zu Ende gesehen wird, und er entsteht am Drehort, nicht im Schnitt. Nähe zur Stimme, abgeschaltete Störquellen, ein kontrollierter Pegel und Kopfhörer auf den Ohren decken den größten Teil ab. Alles Weitere ist eine Frage der Übung.

Häufige Fragen

Reicht das Mikrofon der Kamera oder des Smartphones?

Für Bilder ohne Sprache und für Atmosphäre reicht es aus. Sobald jemand spricht, sollte ein Mikrofon in die Nähe des Mundes, weil das eingebaute Mikrofon vor allem den Raum aufnimmt und nicht die Stimme.

Wie viel Ton lässt sich im Schnitt retten?

Lautstärken angleichen, gleichmäßiges Rauschen dämpfen und einzelne Störgeräusche entfernen gelingt meistens. Übersteuerte Stellen, Kleidungsreiben und starker Hall bleiben hörbar, auch nach der Bearbeitung.

Wie gehe ich mit lauten Maschinen um, die zum Video gehören?

Trennen Sie beides. Die Erklärung nehmen Sie an einem ruhigeren Ort auf, die Maschine separat als Bild und als Geräusch. Im Schnitt legen Sie das Maschinengeräusch leise unter die Stimme, dann bleibt die Aussage verständlich.

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