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Hochformat richtig filmen: Bildaufbau, Licht, Bewegung

Hochkant ist nicht das gedrehte Querformat, sondern ein eigener Bildausschnitt mit eigenen Regeln. Wer sie kennt, dreht mit dem Handy Clips, die auch auf einem kleinen Bildschirm funktionieren.

Stand 23. September 20267 Minuten LesezeitKurzvideo

Die meisten Menschen haben gelernt, quer zu filmen, weil Fernseher und Monitore quer sind. Kurzvideos werden dagegen fast ausschließlich auf dem Handy angesehen, und dort gilt das Gegenteil. Der Wechsel ist schnell gemacht, aber er verändert mehr als nur die Ausrichtung des Geräts: Der Bildausschnitt ist schmal und hoch, der Rand ist verstellt, und Bewegung wirkt stärker.

Warum hochkant anders funktioniert als quer

Im Querformat steht Breite zur Verfügung. Sie können eine Werkhalle zeigen, eine Maschine mit ihrem Umfeld, eine Gruppe von Menschen nebeneinander. Im Hochformat fehlt diese Breite, dafür ist oben und unten Platz. Das passt zu stehenden Motiven: eine Person, ein Werkzeug, eine Wand, ein Turm, eine Fassade, eine Fläche, auf der jemand arbeitet.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz: Ein Motiv, das breit ist, funktioniert hochkant nur als Ausschnitt. Statt die ganze Halle zu zeigen, zeigen Sie einen Arbeitsplatz. Statt des ganzen Gebäudes eine Ecke mit Detail. Wer versucht, das Querformat hochkant unterzubringen, bekommt ein winziges Motiv in der Bildmitte und zwei tote Flächen darüber und darunter.

Die zweite Konsequenz betrifft den Abstand. Weil die Bildbreite knapp ist, wirken Aufnahmen aus der Entfernung leer. Gehen Sie näher heran, als es sich beim Filmen richtig anfühlt. Das gilt besonders bei Personen: Ein Ausschnitt von der Hüfte aufwärts trägt einen Clip besser als eine ganze Person in der Bildmitte.

Der Rand gehört der Bedienung

Ein Kurzvideo läuft selten in einem leeren Fenster. Oben liegen meist Titel oder Statusleiste, unten Beschreibung, Schaltflächen und Fortschrittsanzeige. Was Sie dort platzieren, wird verdeckt, und zwar je nach Abspielort unterschiedlich.

Rechnen Sie deshalb am oberen und am unteren Rand jeweils mit einem Streifen, der nicht sicher sichtbar ist. Der wichtige Bildinhalt gehört in die mittleren zwei Drittel. Das betrifft vor allem Gesichter, Schriftzüge, Produktnamen und eingeblendeten Text. Wenn Sie Untertitel setzen, prüfen Sie einmal auf einem echten Handy, ob sie nicht hinter einer Schaltfläche verschwinden.

Für eingeblendeten Text gilt zusätzlich: wenige Wörter, große Schrift, hoher Kontrast. Ein Satz, der über drei Zeilen läuft, wird auf dem kleinen Bildschirm nicht gelesen. Zwei bis vier Wörter in einer Zeile funktionieren. Alles Weitere gehört in den Ton oder in die Beschreibung unter dem Clip.

TippHalten Sie das Handy beim Filmen nicht mittig vor die Brust, sondern auf Höhe des Motivs. Die Perspektive entscheidet mehr über die Wirkung als jede Einstellung in der Kamera-App.

Bewegung: ruhig führen statt zoomen

Der digitale Zoom am Handy verschlechtert das Bild, und eine Zoomfahrt während der Aufnahme wirkt zusätzlich unruhig. Der bessere Weg ist der eigene Standort: Gehen Sie näher heran, statt heranzuzoomen. Wenn Sie den Abstand während der Aufnahme verändern wollen, laufen Sie langsam und gleichmäßig und halten Sie das Gerät dabei mit beiden Händen dicht am Körper.

Für die meisten Clips genügt eine ruhige, feste Einstellung. Bewegung kommt dann vom Motiv, und das ist im Handwerk fast immer gegeben: Eine laufende Maschine, eine arbeitende Hand oder ein fahrendes Fahrzeug trägt einen Clip ohne jede Kamerabewegung. Wenn Sie doch schwenken, dann einmal, langsam und in eine Richtung, und lassen Sie am Anfang und am Ende jeweils zwei Sekunden Ruhe stehen. Diese Ruhepunkte brauchen Sie später beim Kürzen.

Drehen Sie außerdem grundsätzlich länger als nötig. Fünfzehn Sekunden Material für einen Zehnsekundenclip geben Spielraum, zwanzig sind besser. Speicherplatz kostet nichts, ein zweiter Weg zur Baustelle schon.

Licht: die Sonne gehört hinter die Kamera

Die häufigste Fehlerquelle bei Handyaufnahmen ist Gegenlicht. Steht ein Fenster, ein Hallentor oder die Sonne hinter dem Motiv, belichtet die Kamera auf den hellen Hintergrund, und das Motiv wird zur Silhouette. Der Fix ist einfach: Stellen Sie sich so, dass die Lichtquelle in Ihrem Rücken liegt und das Motiv von vorn beleuchtet wird.

Draußen ist bedeckter Himmel besser als pralle Mittagssonne, weil harte Schatten im Gesicht und auf Material unangenehm wirken. Drinnen ist der Platz neben einem Fenster meist die beste Lichtquelle, die ein Betrieb hat. Erst wenn das nicht reicht, lohnt zusätzliches Licht. Welche Lampen dafür in Frage kommen, behandelt der Beitrag Licht für Videoaufnahmen.

Prüfen Sie vor der Aufnahme kurz das Bild auf dem Display und tippen Sie auf das Motiv, damit die Kamera darauf belichtet und scharfstellt. Viele Handys halten diese Einstellung dann fest, was ungewollte Helligkeitssprünge während der Aufnahme verhindert.

Länge und der erste Moment

Die ersten ein bis zwei Sekunden entscheiden, ob weitergesehen wird. Beginnen Sie deshalb nicht mit einem Vorlauf, einer Begrüßung oder einem langsamen Heranfahren, sondern mit dem Motiv selbst. Wenn das Thema die fertige Fläche ist, steht die fertige Fläche im ersten Bild.

Die Gesamtlänge richtet sich nach dem Inhalt und nicht nach einem Ziel. Ein Detail braucht zehn Sekunden, eine Erklärung vielleicht vierzig, eine Vorstellung selten mehr als eine Minute. Alles über 90 Sekunden ist kein Kurzvideo mehr, sondern ein kurzes Video, und dafür gelten andere Regeln, die im Leitfaden Firmenvideo mit dem Smartphone drehen stehen.

Wird gesprochen, entscheidet der Ton über den Clip. Ein verwackeltes Bild verzeihen Zuschauer, einen unverständlichen Ton nicht. Bei Maschinenlärm hilft der Abstand: Gehen Sie dicht an die sprechende Person heran oder nehmen Sie den Text an einem ruhigen Ort auf. Die Grundlagen dazu stehen unter Guter Ton im Video.

Die Fehler, die am häufigsten vorkommen

Fast alle unbrauchbaren Clips scheitern an einer Handvoll immer gleicher Punkte. Wer sie vor dem Drücken der Aufnahmetaste kurz durchgeht, spart sich den zweiten Versuch.

  • Quer gefilmt und hinterher beschnitten, wodurch Auflösung und Bildaufbau verloren gehen
  • Gegenlicht, sodass das Motiv dunkel bleibt
  • Zu weit weg, sodass das Motiv im schmalen Bild verschwindet
  • Während der Aufnahme gezoomt statt vorher näher herangegangen
  • Wichtiger Inhalt am oberen oder unteren Rand, wo Bedienelemente liegen
  • Ohne Ton gedreht, obwohl gesprochen wird, oder mitten im Maschinenlärm aufgenommen
  • Zu spät gestartet, sodass der Anfang der Handlung fehlt
  • Hochkant gedreht, aber das Gerät zwischendurch gekippt

Kurz gefasst

Hochformat verlangt nähere Motive, ruhigere Bewegung und freien Platz an den Rändern. Wer außerdem das Licht vor das Motiv stellt und den Clip mit dem Thema beginnen lässt, bekommt aus dem Handy Aufnahmen, die auf dem kleinen Bildschirm bestehen. Der Rest ist Wiederholung.

Häufige Fragen

Welche Auflösung soll ich am Handy einstellen?

1080p bei 30 Bildern pro Sekunde reicht für Kurzvideos aus und erzeugt Dateien, die sich schnell übertragen lassen. Höhere Einstellungen bringen im Hochformat auf dem Handy kaum sichtbaren Gewinn.

Brauche ich ein Stativ?

Für die meisten Clips nicht. Beide Hände am Gerät, Ellbogen am Körper und ein fester Stand genügen. Sobald Sie selbst im Bild sind oder mehrere Aufnahmen vom gleichen Punkt brauchen, lohnt ein kleines Stativ.

Kann ich ein Querformatvideo nachträglich hochkant machen?

Technisch ja, gestalterisch selten überzeugend. Sie verlieren einen großen Teil des Bildes und meist auch den Bildaufbau. Wenn ein Clip hochkant laufen soll, drehen Sie ihn hochkant.

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